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Deutschland

Equines Herpesvirus (EHV-1 und EHV-4)

Die equinen Herpesviren Typ 1 (EHV-1) und Typ 4 (EHV-4) sind eng verwandte Herpesviren, die Atemwegserkrankungen, Aborte und neurologische Störungen verursachen können.

Die Infektion kann jahrelang im Organismus schlummern (Latenzphase), um dann plötzlich reaktiviert zu werden und ein Ausscheiden des Virus zu bewirken. (EHV-3, eine venerische Herpesform, wird vorwiegend beim Deckakt übertragen).

Alles maximieren
  • EHV-Atemwegserkrankungen 

    • Biphasisches Fieber (38,5°-41°C)
    • Anorexie (Fehlende Futteraufnahme)
    • Lethargie
    • Vergrößerte Lymphknoten
    • Nasen- und Augenausfluss („Red eye“)

    EHV-Aborte bzw. neonatale Erkrankungen

    • Zeitintervall zwischen Infektion und Abort 2 Wochen bis mehrere Monate
    • Stuten mit stummer EHV-Atemwegsinfektion abortieren plötzlich im 7.-11. Monat der Trächtigkeit
    • Neonatale Erkrankungen: Atemwegsprobleme oder Leberfunktionsstörungen – schlechte Prognose

    EHV-1-bedingte neurologische Erkrankung 

    • Plötzlicher Beginn, ähnlich Schlaganfall, mit rascher Verschlechterung binnen 48 Stunden
    • Respiratorische Symptome nicht zwingend, Fieber möglicherweise vorhanden
    • Kopfschiefhaltung
    • Zehenschleifen
    • Ataxie (Gestörte Bewegungskoordination), besonders Hinterhand
    • Inkontinenz und/oder Kotabsatzprobleme
  • Herpesvirusinfektionen beim Pferd sollten auf der Basis der klinischen Symptome und einer anamnestisch belegten Häufung von Aborten im Betrieb beurteilt werden. Atemwegserkrankungen infolge einer Infektion mit EHV-1 oder EHV-4 werden durch Nachweis des Virus in Nasentupferproben oder durch serologische Blutuntersuchungen (Antikörper) diagnostiziert.

     Auch die EHM (Enzephalomyopathe, Schädigung des Gehirns und der Muskulatur) lässt sich mit diesen Methoden diagnostizieren, aber auch durch eine Liquoruntersuchung. Bei EHV-bedingten Aborten werden Fetus und Plazenta auf pathologische Veränderungen untersucht und das Virus kann aus den fetalen Organen isoliert werden. Unabhängig vom Verdacht auf etwaige andere Ursachen der Aborte sollten alle abortierten Feten und Plazenten auf das Vorliegen des equinen Herpesvirus hin untersucht werden.

  • Die Behandlung von Pferden mit nachgewiesener EHV-Infektion besteht grundlegend in der symptomatischen Therapie. Weiche Einstreu und bequemes Lager stellen Grundvoraussetzungen für jede Behandlung betroffener Pferde dar.

    Breitspektrumantibiotika, entzündungshemmende Medikamente oder Anti-Herpesviren-Präparate können zur Linderung der klinischen Symptome beitragen. Pferde mit EHM (Enzephalomyopathe, Schädigung des Gehirns und der Muskulatur) benötigen unter Umständen eine Unterstützung durch eine Schlinge, falls sie nicht aus eigenen Kräften stehen können.

  • Ein wichtiger Aspekt bei der Bekämpfung von EHV-bedingten Erkrankungen ist das Bestandsmanagement und ein umfassendes Impfprogramm für alle Pferde. Das Hauptaugenmerk sollte dabei auf der Reduzierung der klinischen respiratorischen Symptome und auf einer verminderten Virusausscheidung liegen. Es ist sinnvoll, alle Fohlen vor dem Absetzen von der Stute schon erstmals zu impfen, um die Erstinfektion und somit die lebenslange Virusträgerschaft zu verhindern.

    Alle Neuzugänge sollten für 14-21 Tagen in Quarantäne gehalten werden. Während dieser Zeit sollte täglich Fieber gemessen werden. Entscheidend ist auch eine entsprechende Hygiene, da die Virusübertragung auch über Geräte, Ausrüstung und die Kleidung des Stallpersonals möglich ist. Nach Transporten sind alle Pferdeboxen zu desinfizieren. Alle Pferde mit Atemwegsproblemen sollten bis zur definitiven Diagnosestellung isoliert werden, da das Virus sehr labil ist und nicht über große Distanzen übertragen werden kann. Auch abortierende Mutterstuten sind isoliert aufzustallen.

    Da die natürliche Immunität nur sehr kurzfristig besteht, ist die Impfung gegen Herpesviren ein wesentlicher Bestandteil jeder Bekämpfungsstrategie. Es ist erwiesen, dass sich durch konsequentes Impfen die Virusquantitäten im Bestand und die Inzidenz von Aborten reduzieren lassen.

  • Schützt die Impfung auch gegen die neurologische Erkrankungsform?
    Alle EHV-1-Stämme können Atemwegserkrankungen und Aborte verursachen, aber manche sind nicht in der Lage, die neurologische Erkrankungsform auszulösen. Da diese Erkrankungsform v.a. durch den Stamm EHV-1 ausgelöst wird ist es ratsam, gegen diesen Virus zu Impfen, um einen Ausbruch der neurologischen Form der Herpeserkrankung zu vermeiden.
    Damit wird das Risiko der Virusausscheidung sowie der klinischen Symptome bei einen tatsächlichen Ausbruch der Erkrankung minimiert. Insofern ist es ratsam, alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen einschließlich der Impfung zu ergreifen, um die in der Pferdepopulation zirkulierenden Virusmengen zu reduzieren.

    Sollten Pferde angesichts eines EHM-Ausbruchs in einem nahen Bestand geimpft werden?
    Mit einer Impfung zu warten, bis es in der Nähe zu einem Krankheitsausbruch kommt, macht keinen Sinn. Pferde, die krank sind, dürfen niemals geimpft werden. Die Impfung von exponierten, noch gesunden Pferden mitten in einem Ausbruch der neurologischen Form der EHV-Infektion hätte höchstens den Effekt, dass die Virusausscheidung begrenzt wird. Für alle Pferde, die bereits zuvor geimpft wurden, besteht bei einem solchen Ausbruch keinerlei erhöhtes Risiko.

  • EHV-1 und EHV-4 sind endemisch bzw. in den meisten Pferdepopulationen weltweit verbreitet. Wie EHV-4 kann auch EHV-1 respiratorische Symptome verursachen, doch ist EHV-1 vor allem wegen seiner Fähigkeit bekannt, Aborte und neurologische Verlaufsformen auszulösen. Die vom EHV-1 verursachte equine Enzephalomyopathie (EHM) unterscheidet sich von anderen neurologischen Erkrankungen des Pferdes insofern, als sie durch Tröpfcheninfektion direkt von Pferd zu Pferd übertragen werden kann, ohne dass ein Vektor, wie z.B. Stechmücken daran beteiligt ist. Dadurch stellt die EHM besonders für Pferdesportveranstaltungen oder Pferdeshows ein Problem dar.

    Eine direkte Übertragung von EHV-1 und EHV-4 ist über den Nasen- oder Augenausfluss infizierter Tiere, sowie über infiziertes fetales Material möglich. Die Herpesviren können aber auch durch Tröpfcheninfektion direkt von einem Pferd auf ein anderes übertragen werden. Das Virus zeichnet sich durch die gefährliche Fähigkeit aus, inaktiv im Wirtstier schlummern zu können (Latenzphase), sodass keine Symptome erkennbar sind, bis es durch irgendeinen Stressor reaktiviert wird und es zum Ausbruch der Symptome kommt.

    Ist ein Pferd erst einmal infiziert, bleibt es lebenslang ein EHV-Träger. Das bedeutet einerseits, dass es jederzeit plötzlich zur Aktivierung der Infektion und zur Erkrankung kommen kann, sowie andererseits, dass dieses Pferd sporadisch das Virus ausscheiden und Kontakttiere damit infizieren kann. Solche symptomfreie, stille Virusträger stellen somit eine Gefahr für alle ungeschützten Pferde dar.

    Eine Impfung gegen Herpesviren ist erwiesenermaßen in der Lage, die klinischen respiratorischen Symptome abzuschwächen und die Virusausscheidung zu reduzieren. Durch verminderte Virusausscheidung lässt sich auch die Häufigkeit von Aborten verringern. Obwohl sich bislang keine Impfung als wirksam gegen die von diesen Herpesviren verursachten neurologischen Erkrankungsformen erwiesen hat, ist die Durchführung von Maßnahmen zur Verhinderung bzw. Reduzierung einer EHV-1-Übertragung als Teil einer umfassenden Strategie zum Schutz der Pferde von besonderer Bedeutung.