Zoetis verwendet Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Sie können die Verwendung von Cookies unterbinden, indem Sie Ihren Browser entsprechend einstellen. Die Funktionalität der Seite ist dann allerdings eingeschränkt.

Deutschland

Fasciolose

Leberegelbefall

Die Fasciolose ist eine parasitäre Erkrankung herbivorer Tiere, die durch den Trematoden Fasciola hepatica (Stamm Plattwürmer) verursacht wird. Infolge der klimatischen Veränderungen und des zunehmend milden und feuchten Wetters wurde in den letzten Jahren ein drastischer Anstieg sowie eine wachsende Verbreitung der Fasciolose beobachtet; auch die intensiveren Tierbewegungen können daran ursächlich beteiligt sein. Generell ist in den Ländern (bzw. Regionen innerhalb einzelner Länder) mit den größten jährlichen Niederschlagsmengen die höchste Prävalenz von Leberegelbefall bei Hauswiederkäuern zu verzeichnen.

Alles maximieren
  • Die Epidemiologie dieser Krankheit wird von den Weidegewohnheiten der Tiere beeinflusst. Tiere, die auf nassen, sumpfigen Wiesen und leicht sauren Böden weiden, werden eher von der Fasciolose betroffen, da in solchen Gebieten der Zwischenwirt des Leberegels, eine Süßwasserschnecke (meist Zwergschlammschnecke), ideale Lebensbedingungen vorfindet. Generell stehen lange niederschlagsreiche Weideperioden mit einer höheren Infektionsrate in Zusammenhang. Allerdings kommt es meist erst in den auf eine regenreiche Saison folgenden Trockenperioden zur Aufnahme der infektiösen Stadien (Metazerkarien, Schwimmzysten) des Leberegels durch die Schafe. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Tiere aufgrund der reduzierten verfügbaren Weidefläche gezwungen sind, auf morastigen Böden bzw. auf Flächen, wo sich das Wasser nach Überschwemmungen zurückgezogen hat, zu weiden. Gerade diese Bereiche sind es aber, deren Vegetation am stärksten mit den enzystierten Larvenstadien, den Metazerkarien, kontaminiert ist.

    Die Infektion der Schafe erfolgt durch orale Aufnahme der Metazerkarien mit den Weidepflanzen der kontaminierten Weide. Durch den im Magen herrschenden niedrigen pH-Wert, die im Vergleich zur Außenwelt höhere Temperatur und die Anwesenheit von CO2 sowie die im Duodenum vorhandenen Gallensäuren werden die frühen unreifen Juvenilstadien angeregt, den Schlupfvorgang zu beginnen. Die aus den Metazerkarienzysten geschlüpften Jungegel durchbohren die Darmwand und gelangen so in die Peritonealhöhle, worauf die Wanderung zur Leber beginnt. Dort angelangt, dringen sie durch die Leberkapsel in die Leber ein. Sobald das Leberparenchym erreicht ist (nach 4–6 Tagen), beginnen die frisch geschlüpften jungen Egel damit, sich über ihren Mundsaugnapf vom Lebergewebe zu ernähren. Dieses Entwicklungsstadium im Lebergewebe stellt das pathogene Stadium dar. Während dieser Phase der akuten Infektion kommt es aufgrund innerer Blutungen, Anämie und Leberfunktionsstörungen zu den meisten Todesfällen bei den massiv betroffenen Tieren. Die jungen Leberegel bohren sich auf ihrer bis zu 4–6 Wochen dauernden Wanderung durch die Leber und ernähren sich von Lebergewebe und Blut, bis sie schließlich in die Gallengänge gelangen, wo sie etwa binnen vier weiterer Wochen zu adulten Leberegeln heranreifen. Die adulten Parasiten können jahrelang in der Leber parasitieren und sich von Blut ernähren. Dadurch kommt es zu einer schweren Schädigung der Leber und infolge des Blutverlustes zu Anämie. Jeder Parasit produziert Tausende von Eiern (adulte Leberegel sind Zwitter), die mit der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm abgegeben werden und schließlich mit dem ausgeschiedenen Kot auf die Weide gelangen. Bis zu 25 000 Eier pro Tag kann ein einziger Leberegel produzieren, und sogar bei einer leichten Infektion scheidet ein einziges Schaf täglich bis zu 500 000 Eier aus, die die Weide kontaminieren. In der Umwelt wandern die Eier in feuchtem Milieu aus dem Kot des Wirtstieres aus und werden schließlich vom Zwischenwirt aufgenommen.

  • Bei der klinischen Fasciolose der Schafe unterscheidet man eine akute, eine subakute und eine chronische Verlaufsform.

    Die akute Fasciolose manifestiert sich als plötzlich auftretende Erkrankung, und zwar ungefähr 5–6 Wochen, nachdem das Tier innerhalb kurzer Zeit eine große Anzahl an Metazerkarien aufgenommen hat. Dadurch entstehen große Mengen an unreifen Egelstadien, die durch das Leberparenchym wandern. Dies führt oft zum plötzlichen Verenden der Tiere ohne vorherige klinische Symptome. Die wandernden juvenilen Stadien verursachen eine hochgradige Schädigung und Vernarbung des Lebergewebes. Die meisten Fälle akuter Fasciolose ereignen sich im Herbst infolge der im vorangegangenen Winter und Frühling ausgeschiedenen Eier. Manche Metazerkarien, die aus der vorhergegangenen Saison stammen, überleben sogar den nächsten Winter, was eine Erklärung für die steigende Tendenz zu frühsaisonalen Infektionen bei Schafen sein kann. Die für eine akute Verlaufsform der Fasciolose erforderliche große Menge an aufgenommenen Metazerkarien wird durch saisonale klimatische Bedingungen beeinflusst, und das Erkrankungsrisiko ist erhöht, wenn nicht rechtzeitig geeignete Maßnahmen zur Leberegelbekämpfung getroffen werden.

    Die subakute Fasciolose tritt vorwiegend zwischen Spätherbst und Frühling auf, und zwar 6–10 Wochen nach oraler Aufnahme der Metazerkarien. Im Gegensatz zur akuten Verlaufsform werden die Metazerkarien dabei in geringerer Menge und über einen längeren Zeitraum aufgenommen. Dadurch setzt die Erkrankung nicht so abrupt ein und ist auch weniger lebensbedrohend als akute Infektionen. Betroffene Tiere zeigen unter Umständen 1–2 Wochen vor ihrem Tod klinische Symptome. Bei der Sektion findet sich im Leberparenchym eine große Anzahl an unreifen Leberegeln, jedoch kein so massiver Befall wie bei der akuten Fasciolose. Bei der subakuten Verlaufsform hatten die Parasiten bereits ausreichend Zeit, sich zu adulten Leberegeln zu entwickeln, die dann in den großen Gallengängen vorzufinden sind.

    Die chronische Fasciolose wird vorwiegend im späten Winter und im zeitigen Frühjahr beobachtet und stellt die häufigste Form dieser parasitären Infektionskrankheit dar. Die Erkrankung wird durch die in den Gallengängen parasitierenden, Blut saugenden adulten Leberegel verursacht und ist gekennzeichnet durch Anämie sowie möglicherweise auch durch eine Obstruktion der Gallengänge. Betroffene Tiere werden mit steigender Aktivität der Parasiten zunehmend anämisch. Auch andere Symptome wie Ödeme bzw. Schwellungen im Bereich unter dem Kiefer (Kehlgangsödem/“Flaschenhals”) können vorhanden sein. Zum Tod kommt es infolge der hochgradigen Anämie oder wenn die Tiere zusätzlichem Stress ausgesetzt sind (Handling der Tiere).

    Diagnose:

    Chronische Fasciolose wird meist erst im Rahmen der routinemäßigen Fleischbeschau der Leber am Schlachthof diagnostiziert, wenn adulte Leberegel in den großen Gallengängen der betroffenen Schafe vorgefunden werden. Oft sind chronisch veränderte Lebern mit Fibrose, Narbenbildung, Verdickung oder Verkalkung der Gallengänge zu sehen, ohne dass Leberegel gefunden werden. Dies ist auf den erfolgreichen Einsatz von fascioliziden Anthelminthika vor der Schlachtung zurückzuführen.

    Folgende Methoden zum Nachweis von Leberegelbefall in einer Herde stehen zur Verfügung, wobei die ersten beiden Methoden wahrscheinlich am häufigsten zur Intravitaldiagnose eingesetzt werden.

    1. Klinische Untersuchung auf makroskopisch erkennbare Anzeichen eines Leberegelbefalls
    Akute und chronische Fasciolose werden durch verschiedene Entwicklungsstadien von Fasciola hepatica in der Leber verursacht, sodass zu verschiedenen Zeitpunkten des Entwicklungszyklus unterschiedliche klinische Symptome vorhanden sein können. Die genaue Kenntnis des Entwicklungszyklus des Leberegels erleichtert die Diagnose zu den entsprechenden Zeitpunkten.

    Akute Fasciolose:
    • Tritt hauptsächlich bei Schafen 5–6 Wochen nach oraler Aufnahme großer Mengen an Metazerkarien auf.
    • Ist auf die Zerstörung des Leberparenchyms durch die zahlreichen jungen Leberegel zurückzuführen, die sich aktiv von Lebergewebe und Blut ernähren.
    • Die daraus resultierende Beeinträchtigung der Leberfunktion und die inneren Blutungen können zum plötzlichen Tod junger Schafe im Spätsommer und Herbst führen.
    Die klinischen Symptome umfassen Apathie, Schwäche, Appetitmangel, blasse und ödematisierte Schleimhäute und Bindehäute sowie eine auf Druck schmerzhafte Leberregion.

    Chronische Fasciolose:
    • Wird verursacht durch die Aufnahme einer geringeren Anzahl von Metazerkarien über einen längeren Zeitraum.
    • Die Wahrscheinlichkeit, dass betroffene Tiere daran sterben, ist geringer, doch entwickelt sich eine chronische Fasciolose.
    • Zu den klinischen Symptomen zählen blasse Schleimhäute (infolge der Anämie), Gewichtsverlust und oft auch die Entwicklung eines Kehlgangödems („Flaschenhals”).
    Das Vlies löst sich oft in Flecken ab, und an den Hintergliedmaßen sind aufgrund des chronischen Durchfalls eingetrocknete, anhaftende Kotverschmutzungen zu sehen. Dies kann Fliegen anlocken, die dann ihre Eier in die verschmutzte Wolle legen, sodass es in der Folge zu Fliegenmadenbefall kommt.

    2. Einachweis im Kot
    Die Diagnose der chronischen Fasciolose lässt sich durch den Nachweis von Parasiteneiern im Kot bestätigen. Die Eier von Fasciola hepatica sind gelblich-braun, dünnschalig und gedeckelt (d.h. sie weisen an einem Ende eine Art Lid oder Deckel auf, durch den das Mirazidium (die Larve) schließlich schlüpft). Eier von Leberegeln sind nur im Kot chronisch infizierter Tiere zu finden, da nur bei der chronischen Verlaufsform die adulten Parasiten die Gallengänge besiedeln und dort ihre Eier ausscheiden. Dies erfolgt selten früher als 10 Wochen nach der ursprünglichen Infektion. Das bedeutet, dass bei akuten Infektionen und im Frühstadium der Gallengangsbesiedlung keine Eier im Kot gefunden werden können, sodass die Diagnose anhand des klinischen Befundes oder des immunologischen Nachweises erfolgen muss. Außerdem spiegelt die Anzahl der in Kotproben nachgewiesenen Parasiteneier nicht die tatsächliche Parasitenlast in den Gallengängen wider. Die Eier können vom Wirt intermittierend ausgeschieden werden, sodass einzelne Kotproben oft nur wenige Eier enthalten können, obwohl zahlreiche Parasiten in der Leber vorhanden sind. Auch eine Behandlung mit Anthelminthika, z. B. mit Albendazol, kann die Eiproduktion vorübergehend anhalten, ohne dass die Parasiten absterben oder ausgeschieden werden.

    3. Klinisch-chemische Untersuchung des Plasmas auf Enzyme im Zusammenhang mit einer Schädigung der Leber
    Bei der akuten Fasciolose weist der hämatologische Befund auf eine Anämie hin, die mit akutem Blutverlust und inneren Blutungen vereinbar ist. Außerdem zeigen sich im Blutbild eine Eosinophilie und eine Hypalbuminämie. In chronischen Fällen zeigt das Blutbild neben einer Hypalbuminämie und einer Eosinophilie eine regenerative Anämie, die für die aktive Regeneration von Blutzellen im Knochenmark spricht. Die Blutkonzentrationen einiger Leberenzyme, die sich bei einer Schädigung des Lebergewebes verändern, sind erhöht.

    4. Serologischer Nachweis spezifischer Anti-Fasciola-Antikörper im Blut oder in der Milch

    5. Nachweis von Fasciola-spezifischen Antigenen im Kot
    Erst vor Kurzem sind Tests entwickelt worden, die diese Antigene, genannt Koproantigene, in Kotproben von Einzeltieren oder in gepoolten Kotproben von Tiergruppen nachweisen können.

  • Herdenmanagementpraktiken
    Zur Infektionsprophylaxe sind eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen worden, z. B. das dauerhafte Auszäunen der Habitate des Zwischenwirts, der Zwergschlammschnecke, das Meiden von belasteten Weideflächen während Hochrisikozeiten oder die Weiderotation. Solche Maßnahmen sind jedoch nicht immer umsetzbar und werden deshalb nicht in großem Stil eingesetzt.

    Bekämpfung des Zwischenwirts Zwergschlammschnecke
    Eine totale Eradikation der Schneckenpopulationen mithilfe chemischer oder biologischer Mittel ist nicht machbar, sodass diese nicht weiter verfolgt wird; entsprechende Produkte werden nicht mehr hergestellt oder zugelassen. Außerdem würden Molluskizide heute vom Standpunkt des Umweltschutzes aus als inakzeptabel angesehen werden. Die Drainage sumpfiger Böden, die den Schnecken als Habitat dienen, ist eine weitere Möglichkeit, ist jedoch ungemein teuer und wäre für die Betriebe mit diversen Umweltschutzauflagen verbunden, sodass auch diese Option kaum genutzt wird.

  • Einsatz von Fascioliziden
    Fasciolizide sollten als Teil eines Programms zur strategischen Bekämpfung des Leberegelbefalls eingesetzt werden. In Zusammenarbeit mit dem Tierarzt ist ein Gesundheitsplan für den Betrieb zu erstellen. In diesen Plan sollten Faktoren wie die betriebsspezifische Vorgeschichte bezüglich Fasciolose, Rückmeldungen von den Schlachthöfen, Wetterbedingungen und Monitoring der Eizahlen mit einfließen. Zentrales Ziel jedes medikamentellen Sanierungsprogramms ist die Reduzierung der Eiausscheidung zu epidemiologisch kritischen Zeitpunkten im Jahr wie Frühling und Frühsommer. Wichtig ist auch, Neuzugänge in Quarantäne zu nehmen und gegen Leberegel zu behandeln, insbesondere, wenn der Verdacht besteht, dass es sich um Leberegel handelt, die gegen Fasciolizide resistent sind. Hierbei bieten sich Präparate an, die nicht nur gegen die adulten Formen sondern auch gegen juvenile Larvenstadien der Leberegel wirken. Eine totale Eradikation der Leberegel in Schafbetrieben ist wahrscheinlich nicht realistisch, da wildlebende Wiederkäuer und Kaninchen als Erregerreservoir dienen können.

  • Die wirtschaftlichen Folgen der Fasciolose stehen mit folgenden Verlust- oder Schadenskategorien in Zusammenhang:

    • Tod der Tiere (meist Schafe, Ziegen), die akut mit einer großen Anzahl an Leberegeln infiziert sind
    • Suboptimale Gewichtszunahmen und verringerte Produktionsleistung und/oder Qualitätseinbußen bei Fleisch, Milch oder Wolle bei Tieren (Rinder, Ziegen, Schafe), die von der chronischen Verlaufsform der Fasciolose betroffen sind
    • Verwerfen betroffener Lebern aufgrund der Untauglichkeit für den menschlichen Verzehr oder Herunterstufen der Qualität
    • Kosten für prophylaktische oder therapeutische Anthelminthikabehandlungen, was auch mit der zunehmenden Resistenz der Leberegel gegen die Arzneimittel in Zusammenhang steht
    • Tierschutzaspekte
    • Zoonosen

    Obwohl viele dieser Aspekte des durch die Fasciolose verursachten wirtschaftlichen Schadens schwer zu quantifizieren sind, werden die dadurch der Landwirtschaft entstehenden Kosten weltweit auf ca. 3 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt.