Zoetis verwendet Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Sie können die Verwendung von Cookies unterbinden, indem Sie Ihren Browser entsprechend einstellen. Die Funktionalität der Seite ist dann allerdings eingeschränkt.

Deutschland

Lippengrind

Ecthyma contagiosum, ansteckende Pustulardermatitis, Dermatitis pustulosa, Orf

Meldepflichtig 1)

Der Lippengrind ist eine weltweit verbreitete virusbedingte, hochkontagiöse pockenähnliche Erkrankung der Schafe, die durch Bläschen und Pustelbildung an haarlosen Bereichen der Lippen, in den Mundwinkeln, am Nasenspiegel, an den äußeren Genitalien und Klauen gekennzeichnet ist. Mit zunehmender Intensität der Tierbewegungen zwischen den Schafbetrieben konnte sich auch Lippengrind ausbreiten. Sein Erreger, ein Virus, kann im Vlies und in der Haut lange Zeit überleben, in der Umwelt sogar über viele Jahre.

Zoonose: bei lokaler Behandlung wird empfohlen wegen der Infektionsgefahr Handschuhe zu tragen
Meldepflichtige Tierkrankheit

Alles maximieren
  • Lippengrind wird von einem Parapoxvirus verursacht, das in Hautkrusten und Borken betroffener Tiere enthalten ist. Das Virus haftet an geschädigten Hautstellen, z.B. kleinen Hautverletzungen durch Kontakt mit Disteln, Heu, stacheligen Weidepflanzen oder Getreidestoppeln, und vermehrt sich vorwiegend lokal. Auch raue Futtertröge und pelletiertes Futter können die Vermehrung des Virus fördern, da sie Hautabschürfungen um das Maul herum verursachen können und die Schafe somit noch empfänglicher für die Infektion machen. Der Erreger besitzt eine hohe Tenazität. Virushaltige Hautkrusten bleiben bei trockener und lichtgeschützter Lagerung z.B. in Ställen und Pferchen oft jahrelang ansteckungsfähig und verlieren, dem Sonnenlichtausgesetzt, erst nach 30-60 d ihre Infektiosität. Bei 56°C bleibt das Virus mehrere Stunden lang infektiös und wird bei 64°C in zwei Minuten inaktiviert.(aus dem „Lehrbuch der Schafkrankheiten“, Behrens, Ganter, Hiepe).

    Diese Erkrankung ist eine Zoonose und verursacht beim Menschen vor allem kleine Pusteln oder Brocken an Verletzungen der Haut (v.s. der Hände).

  • Der Lippengrind tritt nach einer Inkubationszeit von 2-4 d klinisch in drei verschiedenen Formen auf, die jeweils allein, aber auch in verschiedenen Kombinationen vorkommen können.

    1. Lippenform
    2. genitale Form( Geschlechtsorgane betreffend)
    3. podale Form (Fußform)

    Die klinischen Symptome können individuell variieren, doch bieten die kühlen Hautstellen um das Maul sowie an Gesicht und Klauen die idealen Bedingungen für die Entwicklung der Krankheit. Am häufigsten kommt es an Maul, Lippen, Gesicht, Klauen, Zitzen und Eutern sowie am Hinterkopf von Schafböcken zur Bläschen- und Pustelbildung. Diese schmerzhaften Hautveränderungen schränken die Fähigkeit zur Futteraufnahme ein und können zu Lahmheit führen.
    Hochgradig betroffene Lämmer können oft über Tage nicht fressen, sodass sie an Körperkondition verlieren und für andere Krankheiten empfänglich werden. Sehr junge Lämmer können verhungern und sterben. Lippengrind alleine verursacht keine Todesfälle, beeinträchtigt aber die Wachstumsraten stark. Ein Befall der Zitzen und des Euters mit der Pustulardermatitis kann die Anfälligkeit für eine Mastitis erhöhen. Diese Hautveränderungen sind schmerzhaft, sodass betroffene Mutterschafe ihre Lämmer nicht zum Säugen an die Zitzen lassen.

    Der Lippengrind lässt sich am besten durch eine klinische Allgemeinuntersuchung diagnostizieren. Gegebenfalls durch elektronenmikroskopische Virusdarstellung, Viruszüchtung in Zellkulturen mit histologischen Nachweis der zytoplasmatischen Einschlusskörperchen, durch Virusnachweis mittels monoklonaler Antikörper im ELISA bzw. durch Virusgenombestimmung mit Hilfe der Restriktionsenzymanalyse und Polymerasekettenreaktion (Czerny und Mitarb., 1994). Bei manchen Tieren besteht neben dem Lippengrind auch eine Dermatophilose. Zu den Krankheiten, die leicht mit Lippengrind verwechselt werden können, zählen die Dermatophilose, bakterielle Hautinfektionen und Photosensibilität.

  • Als Präventivmaßnahme bietet sich die Impfung der Tiere mit einem Lebendimpfstoff an. Der Impfstoff wird durch Einritzen in die Haut eingebracht. Nach erfolgreicher Impfung entwickeln sich innerhalb von 5–10 Tagen entlang der geritzten Linie Hautpusteln. Diese bilden etwas später kleine Krusten aus, die im Normalfall 3–4 Wochen nach der Impfung wieder verschwunden sind. Ein Immunschutz entwickelt sich nach zwei Wochen.

  • Es gibt keine Behandlung, die das Virus abtötet. Bei normalem Verlauf dauert die Erkrankung 3–4 Wochen. Die Ausbreitung der Krankheit kann dadurch reduziert werden, dass man betroffene Tiere auf Weiden mit weniger Disteln und Kletten bringt, sodass das Risiko für Hautverletzungen geringer ist. Hochgradig erkrankte Tiere benötigen unter Umständen eine Behandlung, um Sekundärinfektionen zum Abheilen zu bringen. Hierbei haben sich Tetracyclinhaltige Präparate besonders bewert, da sie eine große Menge an relevanten Sekundärrerregern abdecken können. Schafe, die Lippengrind einmal durchgemacht und überstanden haben, weisen eine lebenslange Immunität gegen diese schwere Infektionskrankheit auf. Aufgrund der nicht sehr stabilen Immunität sind die Tiere jedoch für eine Reinfektion empfänglich; der Krankheitsverlauf ist aber milder und die Dauer der Erkrankung kürzer, sodass die Infektion unbemerkt ablaufen kann.
    Die Morbiditätsraten können bis zu 100 % betragen, während die Mortalitätsraten nur in schweren Fällen 5 % übersteigen, wenn Komplikationen wie Fliegenmadenbefall, Mastitis (bei Auen) oder bakterielle Sekundärinfektionen hinzukommen. Eine Behandlung ist nur selten erfolgreich, sodass die besten Maßnahmen zur Bekämpfung des Lippengrindes in einem guten Weidenmanagement und in der Impfung bestehen(subcutane Notimpfung aller nicht erkrankten Tiere im Bestand mit attenuierten Virus des Lippengrinds, aber auch der Einsatz von Paraimmunitätsinducer empfohlen (Büttner und Mitarbeiter, 1990).