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Deutschland

Pseudotuberkulose

Verkäsende Lymphadenitis

Die Pseudotuberkulose (auch verkäsende Lymphadenitis genannt) ist eine weltweit vorkommende, chronische Krankheit von Schafen und Ziegen, wird jedoch in den Betrieben selten entdeckt.

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  • Die Pseudotuberkulose ist eine chronische Erkrankung der Schafe, bei der es infolge einer Infektion mit Corynebacterium pseudotuberculosis zur Abszessbildung und zur Bildung umfangreicher käsiger Nekrosen in Lymphknoten und Organen, vor allem in der Lunge kommt. Dieses Bakterium bleibt in der Umwelt bis zu mehreren Monaten ansteckungsfähig und ist im Staub sowie im Kot, Darm und in Wunden infizierter Schafe zu finden. Es überlebt auch Desinfektionsbäder der Schafe anscheinend unbeschädigt bis zu 24 Stunden lang (Nairne und Robertson 1974).
    Zur Verbreitung der Krankheit kommt es, wenn oberflächliche Abszesse durch Berührungen oder beim Scheren platzen. Dadurch werden die Böden von Schurplatz, Pferch, Stall oder Weide sowie die Badeflüssigkeiten kontaminiert. Der aus aufplatzenden Abszessen abfließende Eiter stellt die Hauptursache für die Übertragung der Pseudotuberkulose dar. Die Infektion erfolgt über Wunden, aber auch durch Einatmen oder orale Aufnahme des Mikroorganismus (bei Lämmern auch omphalogen). Über das Lymphsystem wird das Bakterium zu den Lymphknoten transportiert, wo es eine Entzündung und die Bildung von Abszessen verursacht. Die langsam wachsenden Abszesse sind weder vermehrt warm noch schmerzhaft.

  • Die Pseudotuberkulose verursacht die Bildung von Abszessen, die sich vorwiegend, nämlich bei etwa 80% betroffener Schafe, in den Lymphknoten entwickeln und unterschiedliche Größe erreichen können. Am häufigsten betroffen sind die Lymphknoten an Schulter (Buglymphknoten) und Hintergliedmaßen (Kniefaltenlymphknoten), doch kommt es bei manchen infizierten Schafen auch zur Abszessbildung in der Lunge. Auch andere Organe einschließlich Leber, Milz und Nieren können infiziert werden. Gleiches gilt für das Skrotum der Böcke, wodurch es zur Infertilität kommen kann. Die in den oberflächlichen Lymphknoten entstandenen Abszesse können bei der Allgemeinuntersuchung ertastet werden, während tief sitzende Abszesse, z. B. an inneren Organen, erst bei der Schlachtung entdeckt werden.

    Wie aus der ebenfalls gebräuchlichen Bezeichnung „Verkäsende Lymphadenitis” bereits abgeleitet werden kann, hat der Inhalt der Abszesse die Konsistenz von weichem Käse. Ältere, bereits eingekapselte Abszesse werden zunehmend fester. Die Knoten können langsam wachsen und erreichen Durchmesser von 20–40 mm. Die Abszesse können platzen, sodass der Eiter mit charakteristischer grünlicher Färbung austritt. Jeder Abszess enthält eine ausreichende Menge an Bakterien, um eine ganze Herde zu infizieren. Zur Entleerung des Abszessinhalts in die Umwelt kommt es, wenn der Abszess aufbricht oder beim Dippen oder Scheren versehentlich eröffnet wird. Die Infektion wird dann über die kontaminierten Schermaschinen, Schurbänke oder andere Gerätschaften bzw. über die Kleidung des Schäfers bzw. Scherers auf andere Tiere übertragen. Weil die nicht sicht- bzw. palpierbaren Lymphknoten und die Lungenveränderungen bei der einfachen klinischen Untersuchung nicht erkannt werden, wird so auch nur ein Teil der an Pseudotuberkulose erkrankten Tiere erfasst.

  • Das Herdenmanagement sollte darauf abzielen, eine Übertragung der Pseudotuberkulose von infizierten auf gesunde Tiere zu verhindern. Ausgangspunkt für ein optimales Vorgehen ist die Tatsache, dass neugeborene Lämmer nicht infiziert sind. Erst durch den zunehmend intensiveren Kontakt mit älteren Schafen im Laufe des Heranwachsens steigt die Wahrscheinlichkeit einer Exposition mit dem Erreger. Tätigkeiten wie die Kennzeichnung der Tiere mit Ohrmarken, das Ausscheren von Schenkeln und Schwanz zur Vermeidung des Schaffliegenbefalls (Crutching) sowie das Scheren der Tiere und das Badeverfahren zur Ektoparasitenbekämpfung (Dippen) bieten Gelegenheit zur Übertragung der Infektion über dabei entstehende oder bereits alte Hautverletzungen bzw. durch den engen Kontakt der Tiere. Diese Faktoren führen im Laufe der Zeit dazu, dass ältere Schafe besonders hochgradig infiziert und daher hoch ansteckend sind.

    • Bei der Schur ist sicherzustellen, dass Lämmer und Jungschafe als erste geschoren werden, wobei Ausrüstung und Räumlichkeiten vollkommen sauber sein müssen. Besonders zu achten ist auf die Sauberkeit der Pferche, Schurbänke, Böden und Gatter sowie der Schurgeräte, insbesondere der Kämme und Klingen.
    • Nach der Schur sollten die geschorenen Lämmer und Jungschafe getrennt von den älteren Schafen gehalten werden. Frisch geschorene Schafe sollten nicht unnötig lange im Zählpferch oder am Hof verbleiben, sondern so bald wie möglich auf die Weide getrieben werden. Zählpferche zählen in der Regel zu den am stärksten kontaminierten Bereichen der Betriebe.
    • Beim Dippen ist darauf zu achten, dass Lämmer und Jungschafe als erste durch die antiparasitäre Badelösung getrieben werden, also noch bevor infizierte Schafe die Flüssigkeit kontaminieren können.

    Es dauert mindestens vier Jahre, bis sich die Prävalenz der Pseudotuberkulose auf ein akzeptables Maß verringert hat. Um diese reduzierte Erkrankungshäufigkeit aufrechtzuerhalten, sind laufende Bekämpfungsprogramme erforderlich.

  • Eine Behandlung der Pseudotuberkulose ist in der Regel vom wirtschaftlichen Standpunkt aus nicht vertretbar. Die Bakterien reagieren zwar empfindlich auf zahlreiche Antibiotika einschließlich Penicillin (wenn dann nur nach Antibiogramm und in sehr frühen Stadien), doch ist der Einsatz dieser Arzneimittel aufgrund der Verkapselung der Abszesse und des zur Behandlung von Einzeltieren erforderlichen personellen Arbeitsaufwandes praktisch nicht durchführbar. Bei wertvollen Tieren kann man die Abszesse eröffnen und mit einer adstringierenden Lösung  spülen.

    Ist ein Schaf erst einmal mit Corynebacterium pseudotuberculosis infiziert, gibt es keine bekannte Heilungsmöglichkeit. Die effizienteste Methode zur Bekämpfung der Pseudotuberkulose besteht in einer Impfung (kein in Deutschland zugelassener Impfstoff) sowie in den im Abschnitt „Prävention“ beschriebenen Managementpraktiken.