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Deutschland

Mit Haemophilus parasuis assoziierte Krankheiten

Haemophilus parasuis (HPS) ist ein ubiquitär vorkommender Erreger, sodass Antikörper gegen HPS in Schweinebeständen praktisch weltweit nachgewiesen werden können. Am häufigsten werden derzeit die Serovare 4 und 5 vorgefunden.

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  • Haemophilus parasuis (HPS) besiedelt frühzeitig die oberen Atemwege von Schweinen, kann aber unter geeigneten Bedingungen den gesamten Organismus befallen und dann eine schwere systemische Erkrankung auslösen, die als Glässersche Krankheit – benannt nach dem Entdecker Glässer (1910) - bekannt ist. Da die Erkrankung überwiegend bei Absatzferkeln und Läufern nach Belastung auftritt, wird sie auch als Transportkrankheit bezeichnet.

    Sie ist charakterisiert durch eine serofibrinöse bis fibrinopurulente Polyserositis (Entzündung der serösen Häute), Polyarthritis (Mehrgelenksentzündung), Meningitis (Hirnhautentzündung). HPS ist nicht nur für die Glässersche Krankheit verantwortlich, sondern auch wesentlich am Komplex der Atemwegserkrankungen des Schweins (SRD/Swine Respiratory Disease) beteiligt, und zwar entweder als prädisponierender Faktor oder als Sekundärerreger bzw. als Primärpathogen bei der Pneumonie. HPS ist ein kleines gramnegatives Stäbchenbakterium aus der Familie der Pasteurellaceae. Die verschiedenen Stämme von HPS unterscheiden sich in mehreren Merkmalen einschließlich der Virulenz. Das derzeit am häufigsten verwendete Klassifikationsschema für HPS-Stämme basiert auf deren Serotypisierung (15 bekannte Serovare):

    • Die Serovare 1, 5, 10, 12, 13 und 14 werden als hoch virulent angesehen (betroffene Schweine werden innerhalb von vier Tagen moribund oder sterben).
    • Die Serovare 2, 4 und 15 gelten als mäßig virulent.
    • Serovar 8 wird als gering virulent beschrieben.
    • Die Serovare 3, 6, 7, 9 und 11 sind erwiesenermaßen apathogen.

  • Nach Einschleppung der Glässerschen Krankheit in eine HPS-negative Herde kommt es rasch, nur wenige Tage nach Exposition, zum Krankheitsausbruch. Die klinischen Symptome umfassen hohes Fieber, Apathie und Anorexie. Je nach Lokalisation der entzündlichen Veränderungen kann das klinische Erscheinungsbild variieren und es können abdominal verstärkte Atmung, Dyspnoe, starker Husten, Schmerzen im Brust- und Bauchbereich, geschwollene Gelenke (insbesondere Karpal- und Tarsalgelenke, Lahmheit, Tremor, Ataxien) unkoordinierte Bewegungen, lateraler Dekubitus und Zyanosen zu beobachten sein.

    Die Mortalitätsrate kann bis zu 10% betragen. Chronische Infektionen führen zu schlechten Wachstumsleistungen, Kümmern der Ferkel, Husten, Dyspnoe, Gewichtsverlusten, Lahmheit und struppigem Haarkleid. Bei der Sektion zeigt sich als primäre, makroskopisch erkennbare Veränderung ein serofibrinöses (Frühstadium) bis fibrinopurulentes (Spätstadium) Exsudat an einzelnen oder mehreren serösen Oberflächen einschließlich Peritoneum (Bauchfell), Perikard (Herzbeutel) und Pleura (Brustfell) sowie an Gelenkoberflächen und den Meningen (Hirnhäuten).

    Haemophilus parasuis ist nicht nur für die systemische Erkrankung verantwortlich, sondern trägt auch ursächlich zum Komplex der Atemwegserkrankungen des Schweins (SRD) bei. Fibrinopurulente Bronchopneumonien konnten nach experimenteller Infektion reproduziert werden.

  • Die Diagnose der Glässerschen Krankheit erfolgt in der Regel auf der Basis der Herdenanamnese, der klinischen Symptome, des Sektionsbefundes und des Erregernachweises. Allerdings erschweren vorhandene apathogene HPS-Stämme und die frühe Besiedlung der oberen Atemwege gesunder Schweine häufig die Diagnosestellung.

    Die Isolierung des Bakteriums ist zwar nicht einfach, stellt jedoch die verlässlichste diagnostische Methode dar. Diagnostische Labors sind bei Versuchen, HPS zu isolieren, oftmals mit beträchtlichen Problemen konfrontiert. Das Bakterium wird leicht von anderen Bakterien überwuchert und ist in klinischen Proben oft bald nicht mehr lebensfähig. Zusätzlich erschwert wird die Diagnose in jenen Fällen, in denen die Tiere davor mit Antibiotika behandelt wurden.

    Eine retrospektive Analyse von Proben, die an diagnostische Labors gesandt wurden, hat ergeben, dass die Glässersche Krankheit offenbar in Wirklichkeit zehnmal häufiger als berichtet vorkommt, was teilweise auf die Unfähigkeit, HPS in den eingesandten Proben nachzuweisen, zurückzuführen ist. Somit stellt die Diagnose von Infektionen mit Haemophilus parasuis nach wie vor eine große Herausforderung für viele Tierärzte dar, doch lässt sich die Erfolgsrate deutlich bessern, wenn man sich strikt an ein definiertes diagnostisches Prozedere hält.

  • Die vollständige Eliminierung von Haemophilus parasuis aus einem Bestand ist jedoch nicht erstrebenswert, da beim Zukauf von Zuchttieren bzw. bei der nachfolgenden Vermischung von HPS-frei aufgewachsenen Schweinen und symptomfreien HPS-Trägertieren Krankheitsverläufe entstehen können, die unter Umständen zu verheerenden wirtschaftlichen Verlusten führen können. Normale HPS-Infektionen sind durch eine Antibiotikatherapie in den Griff zu bekommen.

    Antibiotika sollten so früh wie möglich nach Auftreten erster Symptome verabreicht werden, wobei nicht nur die Schweine mit klinischen Symptomen, sondern alle Tiere der betroffenen Gruppe behandelt werden müssen. Die meisten Stämme von Haemophilus parasuis sind gegenüber den gängigen Antibiotika empfindlich. Dennoch sollte im Sinne eines überlegten und gezielten Einsatzes von Antibiotika die Erstellung eines Antibiogramms mit den klinischen Isolaten von Haemophilus parasuis auch vor der Behandlung der Glässerschen Krankheit zur Routine gehören.

  • Die Prophylaxe von HPS-Infektionen lässt sich durch Impfprogramme erreichen, vorausgesetzt, die beiden wichtigsten Punkte, nämlich die Diversität der Serovare und das Timing der Impfungen, werden entsprechend berücksichtigt. Maßnahmen zur Bekämpfung von HPS-Infektionen sollten jedoch auch das generelle Herdenmanagement umfassen: Reduzierung oder Elimination anderer pathogener Keime, Optimierung des Absetzalters und der Tierbewegungen bzw. Umstallungen, keine isolierte Haltung von Jungsauen im Eingliederungsstall nach Remontierung etc.

    1. Møller, K., Andersen, L.V., Christen, G. & Filian, M. (1993). Optimization of the detection of NAD dependent Pasteurellaceae from the respiratory tract of slaughterhouse pigs. Veterinary Microbiology 36, 261-271.
    2. Oliveira, S. & Pijoan, C. (2004). Haemophilus parasuis: new trends on diagnosis, epidemiology and control. Veterinary Microbiology 99, 1-12.
    3. Oliveira, S. (2004). Improving rates of success in isolating Haemophilus parasuis from clinical samples. Journal of Swine Health and Production 12, 308-309.
    4. Rapp-Gabrielson, V., Kocus, G., Clark, J. & Stephen, K. (1997). Haemophilus parasuis: immunity in swine after vaccination. Veterinary Medicine 92, 83-90.