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Deutschland

Progressive und nicht progressive Rhinitis atrophicans

Meldepflichtig 1)

Die leichte Verlaufsform der Schnüffelkrankheit, d.h. die nicht progressive Rhinitis atrophicans (npRa) ist weltweit verbreitet und stellt eine relativ häufige Krankheit bei Schweinen dar. Im Gegensatz dazu ist die progressive Rhinitis atrophicans (pRa) vorwiegend in Beständen intensiver Schweineproduktion vorhanden, scheint aber heute in Europa weniger verbreitet zu sein. Innerhalb der EU ist die Krankheit in Frankreich nach wie vor häufig zu beobachten, während sie im Vereinigten Königreich nur selten diagnostiziert wird.

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  • Die nicht progressive Rhinitis atrophicans (npRa) wird durch das gramnegative Bakterium Bordetella bronchiseptica und nicht toxinbildende Pasteurellen verursacht. Die schwere Verlaufsform, die progressive Rhinitis atrophicans (pRa) wird durch toxinbildende Pasteurella multocida-Stämme der Kapseltypen A und D verursacht.

    Diese Kapseltypen bilden ein Dermonekrotoxin, das die Osteoblasten (knochenbildende Zellen) bei fortgesetzter Aktivität der Osteoklasten (knochenresorbierende Zellen) hemmt; dies führt zu einer gestörten Osteogenese und zur Atrophie der Nasenmuscheln (Conchenatrophie) mit Deformation des Septum nasi (Nasenscheidewand) und evtl. des Rüssels.
    B. bronchiseptica hat dabei eine unterstützende Funktion, da sie die Ansiedlung der toxinbildenden Pasteurellen auf der Nasenschleimhaut durch die Zerstörung der Kinozilien (Flimmerhärchen) begünstigt.

    Beide Bakterien werden beim Säugen vom Träger-Muttertier auf die Ferkel übertragen. Ausbruch und Folgen der Infektion sind jedoch von der Konzentration an kolostralen Antikörpern sowie von Umweltfaktoren abhängig. Die Einschleppung der Krankheit in einen Bestand erfolgt in der Regel durch Zukauf eines infizierten Trägertiers, doch können auch Hunde, Katzen, Nager und Vögel Träger des Erregers sein. Beide Mikroorganismen bleiben im Boden oder in der Gülle bis zu einen Monat lang infektiös.

  • Hauptsymptome der npRa ist Niesen und Kopfschleudern und ein hörbares nasales Stenosengeräusch. In schwereren Fällen kommt es bei Ferkeln im Alter von weniger als sechs Wochen gelegentlich auch zu katarrhalisch-eitriger Rhinitis/Pneumonie. Bei der postmortalen Untersuchung kann eine leichte Atrophie der ventralen Conchen festzustellen sein. Eine Deformation des Septum nasi oder eine Brachygnathia superior (Unterbiss) ist in weniger als 1% der betroffenen Tiere vorhanden. Diese Symptome sind bis zum Schlachtzeitpunkt jedoch meist verschwunden.

    Niesen ist auch das erste Symptom der pRa, doch kommt es hier im Gegensatz zur nicht progressiven Form zu einem Fortschreiten der Symptome und es zeigen sich blutiger Nasenausfluss, Seitwärtsbiegung des Oberkiefers, Tränenfluss mit Verfärbungen um die Augen (Brillenbildung) eine hohe Prävalenz der Brachygnathia superior. Durch die Zerstörung des Flimmerepithels wird die Einatemluft weder angewärmt, noch angefeuchtet oder gefiltert. Durch den Verlust der Clearance kommt es häufig zu Pneumonien durch eingeatmeten Staub oder Keime.

    Ein korrekter Kieferschluss ist nicht mehr möglich, sodass betroffene Schweine nur mehr verringerte Futtermengen aufnehmen können und es zu Wachstumsverzögerungen kommt. Während das Niesen im Alter von etwa 12 Wochen aufhören kann, bleiben die anatomischen Veränderungen bis zur Schlachtung bestehen. Zur Bestandsdiagnostik und zur genaueren Beurteilung der Prävalenz und des Schweregrades der Krankheit, insbesondere der Veränderungen an Conchen und Nasenseptum, wird routinemäßig ein Punktebewertungsschema verwendet.

    Dazu wird der Nasenquerschnitt auf der Höhe des 1. bis 2. Prämolaren beurteilt: Eine unveränderte Nase wird mit 0 bewertet, leichte Veränderungen mit 1 und schwere mit 5, wobei die pRa anhand der zunehmenden Schäden an ventralen und dann auch dorsalen Conchen, danach am kompletten Verlust der Conchen und schließlich anhand der Deformation des Septum nasi beurteilt wird.

  • Die Sicherung der Verdachtsdiagnose auf npRa bei Ferkeln kann mithilfe der Anzüchtung von B. bronchiseptica in Kulturen anhand von Nasentupferproben von betroffenen Schweinen erfolgen. Auch der Erregernachweis bei unter sechs Wochen alten Ferkeln mit Bronchopneumonie dient der Diagnose einer durch Bordetella verursachten Erkrankung. Serologische Untersuchungen sind aufgrund des ubiquitären Vorkommens des Erregers nutzlos. Das Vorliegen einer progressiven Rhinitis atrophicans (pRa) im Bestand erfolgt durch den Nachweis des Dermonekrotoxingens von P. multocida mittels PCR von Nasentupferproben erkrankter Schweine oder durch den Nachweis des Toxinantigens in Nasentupferproben bzw. vorzugsweise in reinen Kolonien auf Blutagar.

    Der Ausschluss des Vorliegens von pRa in einer Herde basiert auf dem Fehlen klinischer Symptome und regelmäßigen Screeninguntersuchungen (Nasentupferproben) bei denen kein toxinbildendes P. multocida nachgewiesen wird. Die Verlässlichkeit der pathologisch-anatomischen Beurteilung des Nasenquerschnitts nach dem Punktschema ist nicht absolut, da von stark verzögerten klinischen Manifestationen der Krankheit bei gesicherter Herdeninfektion (bis zu zwei Jahre) berichtet wurde. Außerdem können leichte Veränderungen an Nasenquerschnitt und Oberkiefer auch bei der nicht progressiven Rhinitis atrophicans vorliegen oder auf anatomische Rassevarianten zurückzuführen sein.

  • Die kurzfristige Bekämpfung besteht in der Reduzierung des Infektionsdrucks durch antibiotische Behandlungen von Jungtieren und Sauen in Kombination mit einer Mutterschutzvakzination. Dieses Konzept muss jedoch stets von einem „Maßnahmenkatalog" begleitet werden.

  • Während die Behandlung der klinischen Erkrankung das kurzfristige Ziel und die erste Priorität bei akuten Ausbrüchen von pRa oder npRa darstellt, ist auf lange Sicht die Prävention oder sogar Eradikation als realistisches Ziel anzustreben. Der Infektionsdruck lässt sich durch Umstellen auf das "Alles rein - Alles raus" Verfahren (sofern möglich), durch verbesserte Reinigung und Desinfektion der Ställe, sowie ein verbessertes Stallklima erreichen.

    Kurzfristige Erfolge können auch durch Reduzierung der Umstallung infizierter Ferkel in das Flatdeck erzielt werden. Außerdem sollten eine Impfung der Sauen (ein Kombinationsimpfstoff mit den inaktivierten Erregern P. multocida und B. bronchiseptica sowie dem Toxoid von P. multocida ist in Europa erhältlich) und die intramuskuläre Injektion von Langzeit-Antibiotika bei Ferkeln vor dem Absetzen erwogen werden.

    Eine Eradikation der npRa ist aufgrund des ubiquitären Vorkommens von B. bronchiseptica und der Tatsache, dass viele Tiere Träger des Erregers sind, nicht realistisch. Eine Eradikation von pRa ist nur durch einen vollständigen Neuaufbau von Zuchtbeständen aus Herden, die frei von toxinbildenden P. multocida sind, möglich. Dies ist jedoch nicht immer praktikabel. Eine machbare Alternative stellen langfristige Impfprogramme für Jungsauen und Sauen dar, um so einen maximalen kolostralen Schutz zu erzielen.

    Der Erfolg dieser Strategie lässt sich dadurch beschleunigen, dass Jungsauen, Sauen und Eber regelmäßig getestet werden und Trägertiere gemerzt werden. Grundlage jedes Ausmerzungsprogramms sind strikte externe Biosicherheitsmaßnahmen (Remontierung aus freien Zuchtbeständen, Quarantäne von zugekauften Tieren, Ausschluss von anderen Trägertieren), sowie eine gute interne Biosicherheit ("Alles rein - Alles raus" Verfahren, konsequente Reinigung und Desinfektion der Ställe vor jedem Umstallen) und ein optimiertes Stallklima.

    1. De Jong M. 2006. Progressive and non-progressive atrophic rhinitis. In: Diseases of Swine. Eds, Straw B, Zimmerman JJ, D'Allaire S, and Taylor D. 9th Edn. Blackwell Publishing. Oxford.
    2. Kamps A, Buys W, Kamp E, Smits M. 1990. Specificity of DNA probes for the detection of toxigenic Pasteurella multocida subsp. multocida strains. J Clin Microbiol. 28: 1858-1861.
    3. De Jong M, Kamp E, van der Schoot A, von Banniseth T. 1996. Elimination of AR toxigenic Pasteurella form infected sow herds by a combination of ART vaccination and testing shows with a PCR and ELISA test. Proc. 13th Intl. Congr. Pig Vet Soc. p245.
  • 1) Es gibt einige Tierkrankheiten in Deutschland, die meldepflichtig sind. Das bedeutet, wenn die Erkrankung nachgewiesen wurde, muss diese dem Amtstierarzt unverzüglich gemeldet werden. Dies dient vor allem der Statistik und Seuchenbeobachtung. Droht eine größere Ausbreitung, kann eine "Meldepflichtige Tierkrankheit" kurzfristig in den Status einer „Anzeigepflichtigen Tierseuche“ erhoben werden. Hierfür gibt es eine Verordnung, die jeweils von der zuständigen Behörde angepasst wird.