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Deutschland

Metritis

Gebärmutterentzündung

Metritis ist eine Entzündung der Gebärmutterwand. Sie entsteht vorwiegend durch bakterielle Erreger innerhalb der ersten 21 Tage – meist innerhalb der ersten Woche – nach der Kalbung. Bei Erkrankung ab dem 21. Tag nach der Kalbung spricht man von einer Endometritis. In einer akuten Phase der Metritis sind vielfach alle Schichten der Gebärmutter betroffen, während bei einer  Endometritis die obersten Schichten der Gebärmutter (idR die Gebärmutterschleimhaut) angegriffen sind.

Eine bestehende Metritis macht Kühe empfänglicher für Ketose, eine Labmagenverlagerung sowie für andere nachgeburtliche Störungen, die entweder vorübergehend oder dauerhaft die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Gelegentlich kommt es zum Tod oder zur Merzung erkrankter Tiere.
Begriffsklärung:
Puerperium: Nachgeburtsphase (6–8 Wochen nach dem Kalben)
puerperal: nachgeburtlich

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  • Während der ersten Woche nach dem Abkalben kommt es bei 90 % der Kühe zu einem bakteriellen
    Befall der Gebärmutter. Der Geburtskanal ist nach der Geburt offen und die Gebärmutter stellt idealen
    Nährboden für Erreger dar, vor allem Arcanobacterium pyogenes, desweiteren Streptokokken,
    Staphylokokken, E. coli, Fusobacterium spp., Bacteroides spp..
    Spätaborte, eine verlängerte Trächtigkeitsdauer, ein gestörter Geburtsverlauf, unzureichende Stallhygiene, falsche Hilfe bei Schwergeburten oder Totgeburten begünstigen eine Infektion mit potentiell krankmachenden Keimen. Falsche Fütterung kann die Rückbildung der Gebärmutter beeinträchtigen,  so dass Wochenfluss, Reste der Nachgeburt und Bakterien nicht auf natürlichem Wege ausreichend ausgeschieden werden.
    Auch nach Abschluss der Nachgeburtsphase kann es zum Auftreten von Endometritiden kommen, in
    seltenen Fällen z.B. durch künstliche Besamung, wenn dabei Keime eingebracht werden.

  • Durch eine Metritis wird der Organismus der Kuh extrem belastet und die Abwehrleistung geschwächt.
    Bevor die Tiere klinische Symptome einer Metritis zeigen, lassen sich deutliche Veränderungen
    in der Futteraufnahme beobachten.
    Betroffene Kühe stehen oft mit leicht aufgekrümmtem Rücken, aufgezogenem Bauch und gespannten
    Bauchdecken da. Bei der rektalen Untersuchung zeigen sie deutliche Schmerzäußerungen (Pressen,
    Stöhnen, Unruhe).
    Puerperale (akute) Metritis: gestörtes Allgemeinbefinden (Fieber über 39,5°C, verminderte Milchleistung,
    Teilnahmslosigkeit, Fressunlust, u.U. Dehydratation), übelriechender, rötlich-brauner Ausfluss,
    unzureichend zurückgebildete Gebärmutter
    Klinische Metritis: ungestörtes Allgemeinbefinden, eitriger Ausfluss, unzureichend zurückgebildete
    Gebärmutter
    Klinische Endometritis: ungestörtes Allgemeinbefinden, eitriger Ausfluss, unzureichend zurückgebildete
    Gebärmutter
    Subklinische Endometritis: ungestörtes Allgemeinbefinden; die betroffenen Tiere werden oft bei der
    klinischen Untersuchung mittels rektaler und vaginaler Untersuchung als gesund angesehen, weisen
    bei weiterführenden Untersuchungen jedoch Befunde auf (s. Diagnose).
    *Klassifikation nach Sheldon et al. 2006 (1).

  • Mäßiger Scheidenausfluss ca. zwei Wochen nach Abkalben ist normal. Treten fauliger Geruch des
    Ausflusses sowie Fieber auf, ist fast immer Metritis die Ursache.
    Die Diagnose erfolgt anhand der klinischen Symptome (s. Symptome), rektaler und vaginaler Untersuchung sowie u.U. Laborbefunden. Mittels einer Kultur der Flüssigkeit aus der Gebärmutter kann
    ermittelt werden, auf welches Antibiotikum die beteiligten Mikroorganismen empfindlich reagieren.
    Die Selbstheilungsrate einer akuten Metritis beträgt nur 30 % (2).
    Es gibt diverse Methoden der Diagnose:
    Wissenschaftliche Methode
    Zum Nachweis subklinischer Endometritiden dient ein erhöhter Anteil an polymorphkernigen
    neutrophilen Granulozyten (PMN) in der Gebärmutterwand.
    Zytologischer Befund, der auf eine subklinische Endometriose hinweist (per Cytobrush):
    21. – 33. Tag nach Abkalben: >18% PMN
    33. – 47. Tag nach Abkalben: >10% PMN
    Praxisübliche Methode
    Vaginalschleimbeurteilung mittels Handschuh oder aber einem Scheidenschleimzieher.
    Ultraschall
    Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter.
    Trotz fehlender klinischer Symptome haben subklinische Endometritiden einen negativen Effekt auf
    die Fruchtbarkeitsleistung von Milchkühen.

  • Puerperale (akute) Metritis:
    Intensive systemische antibiotische Therapie, ggf. ergänzt durch Entzündungshemmer und Schmerzmittel. In schweren Fällen zusätzliche lokale Behandlung der Gebärmutter.
    Leichte Fälle einer akuten Metritis können vollständig abheilen.
    (Chronische) Endometritis:
    Natürliches Prostaglandin (Injektion).
    Da die Gebärmutterwand bereits entzündet ist, sollte weitere Belastung durch (physikalische oder
    medikamentelle) Reize vermieden werden. Es gilt weiterhin, die tierärztliche Beratung und Entscheidung zu beachten.

  • Der Schlüssel der Prophylaxe ist, Probleme nach der Geburt früh zu erkennen, wirkungsvoll zu behandeln und eine rasche Gebärmutterentleerung in Gang zu setzen. Die Zwischenkalbezeit lässt sich nur verkürzen, wenn sich die Kühe wohl fühlen und gut fressen.

    Grundsätzlich gilt:
    o Vorbeugen von Infektionen durch optimal saubere Umgebung
    o Unterstützung des Immunsystems (z.B. durch pansengeschützte Omega-3- und Omega-6-
    Fettsäuren)
    o Verhindern von Stoffwechselstörungen wie Ketosen/Acidosen und Kalziummangel
    o Optimiertes Trockenstehmanagement
    o Dokumentation & Fruchtbarkeitsmanagement mit Kontrollmöglichkeiten (u.a. Erkrankungsprotokolle,
    Vergleich von Herdenergebnissen)

    Während des Kalbens und nach der Geburt:
    o Allerbeste Bedingungen für Tiere (optimale Geburtshygiene und -technik wie z.B. großer, gut
    belüfteter Abkalbestall mit hygienischer Einstreu, Einzelkalbungen, rechtzeitiges Umstallen,
    Kuhkomfort, korrekte Fütterung, ausreichend Flüssigkeit)
    o Intensive Tierbeobachtung (Futteraufnahme, Eutergesundheit)
    o Tägliche klinische Untersuchung und Messung der Temperatur
    o Regelmäßige tierärztliche Untersuchung (Rückbildung der Gebärmutter, mögliche Entzündungen,
    Verletzungen, Kontrolle der Eierstöcke)
    o Dokumentation (Temperaturprotokoll, Nachgeburtsprotokoll)

  • Durch Metritis kommt es zu starken Ertragseinbußen: deutliche Verschlechterung der Fruchtbarkeitsleistung,  Milchverluste und Bestandsergänzungskosten. Gemäß einer Studie der University of Illinois weisen Kühe mit Metritis eine reduzierte Trockensubstanzaufnahme und daher eine geringere Milchproduktion als gesunde Kühe auf. Sogar nach adäquater Behandlung erreicht die Milchleistung 20 Tage nach dem Kalben nicht das Niveau gesunder Kühe derselben Herde („Laktationsdelle“ von mind. 1% der Laktationsleistung). Bernhard Lührmann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ermittelte anhand eines Praxisbeispiels folgende Werte:

    o Einkommensverluste durch reduzierte Milchleistung und Wartezeit auf Milch: Milchverlust
    von ca. 280 kg bei 32 Cent/kg = 90 EUR
    o Erhöhter Arbeitsaufwand des Landwirts (Untersuchung, Pflege): ca. 15 EUR
    o Therapie- und Untersuchungskosten im Rahmen einer klassischen Behandlung: ca. 40 EUR
    o Verlängerte Zwischenkalbezeiten infolge niedrigerer Befruchtungsraten und geringerer
    Brunsterkennungsraten: 40 EUR
    o Höhere Kosten für künstliche Besamung wegen nötiger Zweit- und Mehrfachbesamungen: 8
    EUR
    o Bestandsergänzungskosten im Falle einer Merzung ergeben sich aus: Färsenkosten 1600 EUR,
    Erlös der Schlachtkuh 750 EUR  Nettobestandsergänzungskosten von 850 EUR
    Wird jedes achte Tier ursächlich wegen einer Metritis gemerzt, ergibt sich ein finanzieller
    Verlust von 68 EUR pro Tier.


    Insgesamt summieren sich die Kosten und die Ertragsausfälle auf ca. 290 EUR.

  • (1) Sheldon I.M. et al. 2006. Defining postpartum uterine disease in cattle. Theriogenology 65:
    1516-1530
    (2) Zhou, Ch., et al. 2001. A multilocation clinical study of ceftiofur for treatment of postpartum
    cows with elevated temperature and other complications. AABP Proc. 2001